Staupe

Staupe

Unsichtbar, aber gefährlich! Auch in Berlin breitet sich die Staupe aus. Rund jeder dritte Fuchs ist bereits infiziert, die Ansteckungsgefahr besonders für junge Hunde ist sehr hoch. Nur eine Impfung schützt vor der meist tödlichen Krankheit.

Staupe ist eine ernstzunehmende Infektionskrankheit bei Hunden, Füchsen, Mardern, Robben und Waschbären, die sich in hohem Fieber, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit äußert, das Gehirn schädigen und insbesondere bei Jungtieren zum Tod führen kann. In Berlin treten vor allem bei Füchsen immer wieder Fälle von Staupe auf. Hundebesitzer sollten ihre Hunde zum Schutz vor Ansteckung gegen Staupe impfen lassen. Meldepflichtig ist die Krankheit nicht. Für den Menschen ist das Virus völlig ungefährlich.

Bei der Staupe handelt es sich um eine durch ein Paramyxovirus (RNA-Virus) hervorgerufene, hoch ansteckende Infektionskrankheit bei Hunden und anderen Fleischfressern wie Fuchs, Wolf, Frettchen, Nerz, Wiesel, Waschbär und Seehund. Hauskatzen lassen sich zwar mit dem Virus infizieren, zeigen jedoch keine Symptome. Das Staupevirus ist eng verwandt mit dem Masernvirus des Menschen. Es wird durch Speichel, Nasen-, Augensekret, Kot und Urin infizierter Tiere übertragen. Empfängliche Tiere können sich somit direkt über diese Ausscheidungen durch gegenseitiges Belecken und Tröpfcheninfektion anstecken oder nehmen den Krankheitserreger mit verunreinigtem Futter, Wasser oder aus der Umgebung auf.

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Übertragung und Symptome von Staupe

Viren finden sich in den Ausscheidungen von kranken Tieren oder klinisch gesunden Dauerausscheidern. Welpen können schon infiziert geboren werden.

Eine Infektion mit dem Staupevirus erfolgt meist durch direkten Kontakt mit erkrankten oder toten Tieren und über deren Exkremente. Durch die Infektion mit dem Staupevirus kommt es zu Blutgerinnungsstörungen, die für den Hund tödlich enden kann.

Die Inkubationszeit beträgt 3-7 Tage.

Außerhalb des lebenden Organismus bleibt das Staupevirus nur wenige Tage infektiös. Die Krankheit kann unterschiedliche Ausprägungen aufweisen. Insbesondere die das Nervensystem betreffende Form der Staupe (“nervöse Form”) führt meist zum Tod oder kann die Einschläferung des infizierten Tieres notwendig machen.

Generell können Hunde jeden Alters erkranken, vor allem aber sehr junge oder sehr alte Hunde, durch andere Erkrankungen geschwächte Tiere und nicht geimpfte Hunde sind von besonders schweren Verläufen betroffen. In diesen Fällen endet die Staupe häufig tödlich oder führt zu schwerwiegenden bleibenden Schäden.

Krankheitsanzeichen – Klinische Diagnose

Für Staupe spricht die typische Kombination von Symptomen des Magen-, Darmtraktes und der Atmungsorgane mit eitriger Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Das Hinzukommen nervöser Symptome („Staupetick“) ist fast beweisend.

Fieberschübe, ansonsten je nach betroffenen Organen unterschiedliche teilweise gleichzeitig oder nacheinander auftretende Verlaufsformen:

Magen-Darm-Form: Erbrechen, Durchfall, Abmagerung, Austrocknung, beim Junghund bleibende Zahnschmelzdefekte

Atemwegsform: wässriger, später eitriger Nasenausfluss, Lungenentzündung

Augenentzündung sowohl der Lidbindehaut als auch der Hornhaut mit Hornhautgeschwüren, kann zu Blindheit führen

Hautform: Pustelbildung, Hautrötung vor allem an den Schenkelinnenflächen und am Unterbauch, stumpfes Fell

Nervöse Form: oft mit zeitlicher Verzögerung, vielfältige Ausfälle von Muskelzuckungen bis hin zu Lähmungen

Hartballenform: Nasenspiegel und Pfotenballen verhornen übermässig

Das klinische Bild der Staupe hat sich in den letzten Jahrzehnten allerdings geändert. Es treten häufiger atypische Bilder auf, die nicht die deutlichen Übergänge der einzelnen unten beschriebenen Formen der Staupe erkennen lassen. Zwischen 25 und 75 % der Hunde, die sich infizieren, erkranken klinisch inapparent. Hunde jeden Alters können an Hundestaupe erkranken. Eine erhöhte Inzidienz wird jedoch bei Jungtieren, die jünger als 10 Monate sind, gefunden. Die klinischen Symptome der Staupe hängen von der Virulenz des Erregers, sowie dem Alter und dem Immunsystem des Tieres ab. Auch das Vorhandensein anderer Viren, insbesondere Parvo- und Coronaviren und die sich vielfach anschließenden Sekundärinfektionen beeinflussen das Krankheitsbild. Besonders die Entzündungen des Respirationstrakts werden durch Sekundärinfektionen verkompliziert.

 

Gastrointestinaltrakt
  • Vomitus 
  • Diarrhoe 
Respirationstrakt
  • Muköser bis mukopurulenter Nasenausfluß
  • Niesen
  • Husten
  • Dyspnoe, „Backenblasen“
  • Verschärft bronchovesikuläres Atemgeräusch
  • Giemen
Augen
  • Mukopurulenter Augenausfluß
  • Veränderung des Sehnervs
  • Veränderung der Retina („medallion lesions“)
ZentralesNervenSystem

 

Rückenmarksveränderungen
  • Parese
  • Ataxie
Zentrales Verstibularsyndrom
  • Kopfschiefhaltung
  • Nystagmus
  • Ausfälle von Gesichtsnerven
Zerebellare Störungen
  • Ataxie
  • Hypermetrie
  • Kopfwackeln
Zerebrale Störungen
  • Generalisierte oder lokalisierte Anfälle
  • Depressionen
  • Ein- und beidseitige Blindheit
Myoklonien
  • Rhythmische Muskelzuckungen („Staupetick“)
Sonstige Veränderungen
  • Fieber
  • Dehydratation
  • Pustulöse Dermatitis
  • Hyperkeratose an Nase und Ballen („hard pad disease“)
  • Zahnschmelzhypoplasie („Staupegebiß“)

Therapie

Leider gibt es kein Medikament, das Staupe heilen kann. Die Therapie besteht nur aus unterstützenden Maßnahmen zur Linderung der Symptome und um dem Körper Zeit zu verschaffen, den Erreger zu bekämpfen.

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Man kann nur die Symptome lindern.
Eine passive Immunisierung mit Hyperimmunseren kann in den ersten Tagen nach der Infektion (Virämiephase) durchgeführt werden.
Das Sauberhalten der Nasenöffnungen und die Behandlung der Augenveränderungen (Ulkusgefahr) ist wichtig.

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Tiere, die durch länger anhaltenden Durchfall und Erbrechen ausgetrocknet sind, sollten Infusionen bekommen.
Eine Bekämpfung von bakteriellen Sekundärinfektionen (meist Bordetella bronchiseptica) ist unbedingt erforderlich. Hierfür können Breitspektrum-Antibiotika verabreicht werden.

Prognose

Bei milder Verlaufsform günstig.
Bei „hard pad disease“ ungünstig, da meist nach einiger Zeit neurologische Symptome auftreten.
Bei anhaltenden ZNS-Symptomen wird von Tierärzten die Euthanasie vorgeschlagen, um dem Hund Leiden zu ersparen.

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Wie schütze ich meinen Hund vor Staupe?

Hundehalterinnen und Hundehalter sollten unbedingt den Impfstatus ihrer Vierbeiner überprüfen und sie im erforderlichen Fall nachimpfen lassen. Nur ein bestehender Impfschutz verhindert eine Infektion des Hundes mit dem Staupe-Virus.

Durch regelmäßige Impfungen gegen Staupe: Welpen mit 8, 12 und 16 Wochen und nach 15 Monaten (Empfehlung der Ständigen Impfkommission), erwachsenen Hunde spätestens alle drei Jahre, bei hohem Infektionsrisiko auch häufiger.

Indirekter Erregernachweis:
Die Bestimmung von Antikörpern ist in der Regel nicht sinnvoll, da viele gesunde Hunde Antikörper aufweisen. Diese haben sie entweder durch eine Vakzination oder eine durchlaufene Infektion erworben.

Obwohl die Häufigkeit des Auftretens dieser Infektionskrankheit zunächst durch regelmäßig durchgeführte Schutzimpfungen erheblich verringert werden konnte, wird nun europaweit eine Zunahme von Staupefällen auch bei Hunden beobachtet. Hier spielen unter anderem die Virusreservoire Fuchs und Marder und zunehmend auch Waschbär, die Impfmüdigkeit der Hundehalter und der zunehmende Ankauf von nicht geimpften oder infizierten Hunden aus dem Ausland eine Rolle.

Wildtiere, insbesondere Waschbären leben immer häufiger in der Nähe menschlicher Siedlungen. So können sich nicht impfgeschützte Hunde nicht nur durch andere Hunde, sondern auch durch Wildtiere in ihrer näheren Umgebung oder auch beim Waldspaziergang infizieren.

Geschichte

Die Hundestaupe wurde erstmals 1761 in Spanien beschrieben. Vermutlich wurde das Virus aus Asien oder Peru eingeführt.
Von Spanien breitete sich die Staupe über ganz Westeuropa aus.
Die erste genauere Beschreibung stammt von Eduard Jenner aus dem Jahre 1809. Etwa 100 Jahre später wurde die Virusätiologie der Krankheit durch Carré geklärt.

Klassifizierung
Das Staupevirus gehört zur Familie: Paramyxoviridae, Gattung: Morbillivirus

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    Stefan Wittlin
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